Gastspiel in Erlangen – 24. September

„Da hast du dir ja gleich eines der interessantesten Gastspiele rausgesucht“, sagt Karin Moog, Darstellerin der Richterin Sophie in „Corpus Delicti“, zu mir. Ich gebe ihr Recht. Übernachtungsabstecher sind selten, außerdem ist Erlangen dieses Jahr das weiteste Reiseziel. Das Markgrafentheater Erlangen mit seinem Spielzeitthema „Utopie“ hat unser Stück für einen Abend „gekauft“, deshalb machen sich das Ensemble und noch jede Menge weitere Leute auf den Weg dorthin.

Bevor ich zum Bus gehe, muss ich noch kurz ins Büro. Ich bin ein wenig aufgeregt, mache mir Sorgen, dass die Schauspieler eher weniger begeistert sind von der Idee, die ganze Zeit über fotografiert werden zu können. Außerdem bin ich der einzige, der im Grunde nichts mit der Produktion zu tun hat. Alle anderen kennen sich schon von den Proben, gemeinsamen Pausen oder vorherigen Abstechern, haben zusammen gearbeitet, Premiere gefeiert und dadurch schon ein gewisses Vertrauen zueinander. Und ich, ich bin der Außenseiter.

Am Bus angekommen, spüre ich von diesen Ängsten jedoch nichts mehr. Ich werde mit offenen Armen empfangen, mir wird ein Platz im Bus angeboten und wir überlegen uns, mit welchem Spiel wir uns die lange Fahrt über unterhalten. „Head’s up“, das Spiel aus der „Ellen Show“ sorgt also im weiteren Verlauf für viel Spaß unter den Beteiligten, allerdings auch für genervte Gesichter auf dem Gesicht derjenigen, die eigentlich gerne ihre Ruhe hätten. Danach – ganz klassisch – „Mensch ärgere dich nicht“. Klingt einfach und irgendwie langweilig, ist aber genau das Gegenteil. „Sieht extrem stressig aus“ sagt Schauspieler Rainer Scharenberg, als er sieht, wie wir krampfhaft versuchen, zu verhindern, dass unsere Spielfiguren durch das Wackeln des Busses das Spielfeld verlassen. Ich hab verloren.

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Johanna Freyja Iacono-Sembritzki nutzt die Pause für sportliche Betätigung.
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Richard Lingscheidt spielt „Head’s up!“, das Spiel aus der Ellen Show
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Regieassistentin Nicole
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Karin Moog, Darstellerin der Richterin Sophie
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Rainer Scharenberg, Darsteller des Anwalts Rosentreter
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Richard Lingscheidt, Darsteller des Staatsanwalts Bell
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Andreas Spaniol, Darsteller des Journalisten Kramer

Um viertel vor sechs, nach dem Einzug ins Hotel und einem kurzen Bummel durch die Stadt, bin ich mit Wiebke Goldhammer verabredet, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Theaters Erlangen und gleichzeitig Abenddienstleiterin im Vorderhaus. Gemeinsam gehen wir durchs Haus und Frau Goldhammer erzählt einiges wissenswertes über das Theater. Es ist das älteste noch bespielte Barocktheater und befindet sich nach wie vor im Originalzustand, ist also im Großen und Ganzen noch genau so, wie es im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Ca. 500 Plätze verteilen sich auf das Parkett und zwei Ränge, neun Schauspieler sind momentan fest im Ensemble engagiert. Auch für unsere Schauspieler scheint es etwas besonderes zu sein, in solch einem altehrwürdigen Gebäude spielen zu dürfen.

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Das Hotelzimmer in Erlangen…
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…fußläufig zum Theater
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Karin Moog kurz vor der Bühnenbegehung in einem Erlanger Straßencafé

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Von außen ist das denkmalgeschützte Gebäude des Theaters ziemlich unscheinbar.
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Das Foyer des Markgrafentheaters.

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Einige Techniker aus Neuss sind auch dabei – sie sind schon am Tag vorher angereist und haben das Bühnenbild aufgebaut und Licht, Ton und Video eingerichtet.

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Ebenfalls um viertel vor sechs findet die Bühnenbegehung der Schauspieler statt. Regieassistentin Nicole Erbe begleitet und macht sich dabei gleich selbst ein Bild vom Raum und von den technischen Einrichtungen. Für die Schauspieler ist die Bühnenbegehung schnell vorbei. In einem richtigen Theater wie diesem kann man davon ausgehen, dass es in Bezug auf Auf- und Abgänge keine Schwierigkeiten gibt, außerdem ist die Bühne tief genug, dass das komplette Bühnenbild draufpasst. Das ist offensichtlich nicht bei jedem Abstecher so.

Nach der Bühnenbegehung geht es für die Schauspieler entweder auf einen Spaziergang, kurz ins Hotel oder direkt in die Garderobe. Die Regieassistentin kümmert sich derweil darum, mit den bereits am Vortag angereisten Technikern die Lichtstimmungen durchzuspielen und gegebenenfalls noch etwas zu verändern, damit bei der Vorstellung keine unerwarteten Überraschungen auftauchen. Inspizient Lutz Orlet lässt sich derweil von den hauseigenen Technikern das Inspizientenpult erklären.

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Der Weg von den Garderoben zur Bühne
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Das Inspizientenpult, viel größer als unseres in Neuss.
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Nicole Erbe geht mit Veranstaltungstechniker Tim die Lichtstimmungen und Videoeinstellungen durch und verleiht ihnen den letzten Schliff.

Maskenbildnerin Susanne Marr hat sich in der Zwischenzeit in der Maske eingerichtet und kümmert sich nun um die Darsteller. Ihre Utensilien hat sie bereits zwei Tage vor der Abfahrt in einer Kiste verpackt, die ihr freundlicherweise die Techniker im LKW nach Erlangen transportiert haben.

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Karin Moog bei Maskenbildnerin Susanne Marr
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Die Kiste, in der die Maske alle Utensilien befördert. Freundlicherweise kümmert sich meistens die Technik um den Transport an die Abstecherorte.

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Kurz vor dem Einlass machen sich die Schauspieler noch auf der Bühne warm, unterhalten sich oder machen Übungen zur Lockerung des Mundes. Ich gehe ins Foyer, hole meine Karte ab und setze mich dann in den Saal. 19:30 Uhr, die Vorstellung beginnt pünktlich und ich sehe das, was ich mittlerweile schon zweimal gesehen habe. Und doch ist es immer irgendwie anders.

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Das Foyer kurz vor dem Einlass. Die Schauspieler verlassen gerade die Bühne, damit aufgemacht werden kann.
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Regieassistentin Nicole Erbe und die beiden Darsteller Linda Riebau und Josia Krug nach der Vorstellung, schon umgezogen und abgeschminkt.
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Nach dem gemeinsamen Essen in der „Kulisse“ sitzen einige noch bei einem Glas Wein oder Bier beisammen. Mit dabei, zwei Ensemblemitglieder des Erlanger Theaters, Freunde von Josia Krug.

Im Anschluss hat man uns einen Restauranttisch serviert, also treffen wir uns alle dort und essen und trinken gemeinsam. Auch die Intendantin ist dort, extra für diesen Anlass mit dem Auto nach Erlangen gefahren. Bei einem Glas Wein oder Bier lassen die meisten den Abend dann ausklingen und gehen nach und nach ins Bett. Ich selber stürze mich noch mit einigen wenigen Leuten ins – in den Semesterferien eher karge – Erlanger Nachtleben, um noch ein bisschen Spaß zu haben und gemeinsame Zeit zu verbringen.

Umso härter dann natürlich, am nächsten Morgen um halb neun aufzustehen, um vor der Abfahrt noch frühstücken zu können. Aber ich bekomme es hin. Zwischen Frühstück und Abfahrt beeilen sich dann einige, noch schnell auf den Erlanger Apfelmarkt (oder so ähnlich) zu kommen, um sich mit einigen ganz besonders seltenen Exemplaren einzudecken.

Die Rückfahrt verläuft deutlich ruhiger, man merkt die Anstrengung, die vielen noch in den Knochen steckt. Aber dann unterhält man sich halt mal ein wenig, liest etwas oder hört Musik. Und eine Runde  „Heads up!“ war selbstverständlich auch noch drin. Irgendwann sind wir dann wieder in Neuss, steigen aus dem Bus aus und gehen getrennte Wege. Ich muss noch schnell ins Büro, bringe die Kamera weg. Verabschiede mich dann von Regieassistentin Nicole und Inspizient Lutz und gehe nachhause. Leider mein einziger und letzter Abstecher mit dieser Truppe. Aber vielleicht fahre ich mal wieder mit. Einfach so. Einfach, weil es so toll war.

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