„Der Prozess“ – Derniere in Velbert

Spätestens, als der Busfahrer den Bus selbstbewusst die Serpentinen hinter der Autobahnausfahrt hinunterfährt und mir von den Fliehkräften und der Höhe mulmig wird, falle ich endgültig vom Glauben ab, dass dieses Stück Land weniger als hundert Kilometer von Neuss entfernt liegt. Wir sind in Velbert-Langenberg, im Bergischen Land, zwischen Wuppertal und Essen.

„Der Prozess“ wird heute im Historischen Bürgerhaus Velbert zum letzten Mal gespielt und so machen wir uns auf den Weg dorthin. Es fahren heute sogar fast alle im Bus mit. Anders als sonst, oft kommen die Schauspieler selbst mit ihrem eigenen Auto, wenn es für sie sinnvoller ist.

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Angekommen im Bürgerhaus – wie der Busfahrer den Bus durch diese mittelalterlichen Gassen gelenkt hat, ist mir nach wie vor ein Rätsel – sind wir alle erstmal erschlagen von der Atmosphäre des Saals. Er ist wirklich sehr schön. Kunstvoll bemalte Wände, Holzvertäfelungen an den Seiten und am Rang, Holzfußboden und riesige, kunstvolle Deckenleuchter machen ihn gemütlich und geben ihm die Würde, die einem anregenden Theaterabend angemessen ist und ihn so zu einem perfekten Gesamterlebnis werden lassen kann.

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Bevor es in die Garderobe geht, schauen sich die Darsteller die Bühne an, gehen Wege ab, testen die Akustik des Raums. Der Inspizient prüft währenddessen das Bühenbild, ob alles richtig steht und sicher ist. Das zentrale Bühnenelement des „Prozess“ ist ein weißer Schrank, der vor allen Dingen als Tür und als Trennwand zwischen verschiedenen Räumen in der Inszenierung fungiert. Während der Vorstellung wird er hingelegt und von oben bespielt, während ein Darsteller sich im Schrank befindet. Dafür ist wichtig, dass der Schrank am Anfang mit der richtigen Seite nach vorne steht. Denn er sieht zwar von beiden Seiten gleich aus, hat aber eine verstärkte Seite, auf der die Schauspieler sich dann bewegen dürfen. Sicherheit ist eben wichtig.

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Währenddessen sucht sich Tine, unsere Souffleuse, ihren Platz. Da die Bühne in den Saal hineingeht und damit in dem Sinne keinen Seitenbühnen- oder Portalbereich hat, sitzt sie im Saal und hat dort ihren Platz hinter einer Säule eingerichtet bekommen, sodass man sie trotzdem nur zu Gesicht bekommt, wenn man direkt darauf achtet. Zu ihren normalen Aufgaben bekommt sie heute noch eine weitere: Da auch Platzpatronen leichten Rauch verursachen, können sie empfindlich eingestellte Brandmeldeanlagen auslösen. Durch die historische Bedeutung und den hohen Holzanteil im Historischen Bürgerhaus besitzt dieses eine solche Anlage und somit darf mit der Pistole der Inszenierung nicht wirklich geschossen werden. Stattdessen bekommt Tine eines dieser Holzteile in die Hand gedrückt, die man von Sportlehrern bei den Bundesjungendspielen kennt, die einem durch den vom Holz erzeugten Knall den Startschuss zum Sprint geben. Damit imitiert sie während der Vorstellung den Knall der Pistole – und das wird natürlich vor der Vorstellung ausführlich eingeübt.

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Was mir im Saal auch auffällt, sind die Stühle. Ich weiß, Stühle sind normalerweise nicht sonderlich interessant oder wert, darüber einen Absatz zu schreiben – aber diese hier haben etwas, das ich vorher noch nicht gesehen hatte. In der Rückenlehne ist ein kleiner Bildschirm verbaut. LCD. Kann nicht viel, außer eine Nummer anzuzeigen. Auf Nachfrage durch Tine finden wir heraus: Die Nummerierung der Sitzplätze ist digital gesteuert und wird auf diesen Bildschirmen angezeigt. Außerdem kann man bei besonderen Veranstaltungen die Sitzplätze mit Namen versehen. So weiß jeder, wo er sitzen muss.

Bis zum Beginn der Vorstellung sind jetzt noch eineinhalb Stunden Zeit. Tine und ich gehen in die Stadt, versuchen, irgendwo einen Kaffee zu bekommen. Velberts Stadtteil Langenberg ist sehr idyllisch, wenn auch etwas verschlafen. Die Häuser sind alt, sehr alt. Teilweise schon über vierhundert Jahre. Ich fühle mich an meine Heimatstadt, Meldorf, erinnert. Auch dort ist es so, wie hier. Man läuft durchs Stadtinnere und trifft ab und an mal andere Menschen. Allerdings kann man die auch an einer Hand abzählen. Die Leute dort kennen sich aber, unterhalten und freuen sich, wenn sie sich sehen.

Tine und ich schauen uns gerade die Kirche im Zentrum an, da bleibt ein Mann stehen, so Mitte vierzig , wir haben ihn noch nie gesehen, und erklärt uns die Geschichte von Langenberg. Er hatte natürlich eine super Erklärung, woher die steinernen Köpfe stammen, die nachträglich an die Kirche montiert wurden. Und er erzählt, was es mit den eisernen Umrissen menschlicher Körper auf sich hat, die in der Innenstadt verteilt rumstehen. Tine tut sehr interessiert und ich mache ein Foto – ganz unverschämt.

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Irgendwo in einem Café in einer kleinen Gasse bekommen wir also tatsächlich einen Kaffee und machen uns dann aber auch schon wieder auf den Weg Richtung Bürgerhaus. Eine Stunde vor der Vorstellung ist nämlich Anwesenheitspflicht für alle Mitarbeiter der Produktion.

Als wir ankommen, sind die Schauspieler schon auf der Bühne. Sie tragen Bademäntel, damit das darunterliegende Kostüm nicht zufällig irgendwie schmutzig werden kann. Sie bereiten sich gemeinsam auf die Vorstellung vor, indem sie gemeinsam ausgesuchte Textstellen durchsprechen. So bekommen Sie nochmal ein Gefühl für die Bühne und den Raum, den sie gleich bespielen werden.IMG_2407

Das Ganze geht eine ganze Zeit lang, und vor der Tür sammeln sich schon die Zuschauer, die ungeduldig darauf warten, in den Saal zu dürfen. Auf mehrfaches Drängen der Veranstalterin verlassen die Darsteller letztlich die Bühne und ziehen sich noch für einige Minuten in ihre Garderobe zurück. Die Saaltür wird geöffnet und die Menschen strömen herein. Es sind vor allem Schüler dort. Auch im Bergischen Land scheint Kafka also abiturrelevant zu sein. Daneben   ein paar ältere Leute, wahrscheinlich einfach am Stück interessiert oder sie kennen das Stück bereits. Ich setze mich in den ersten Rang, die Vorstellung beginnt.

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In der Pause gehe ich kurz nach hinten. Schauspieler sind keine zu sehen, sie haben sich wieder in die Garderobe zurückgezogen. Stattdessen sind viele Leute auf der Bühne. Unsere Garderobiere, die das Stück kennt (Der Prozess hat wahnsinnig viele Kostüme und Umzüge) ist verhindert, stattdessen muss eine andere mitfahren. Ute hat dementsprechend Stress, denn sie kennt die Abläufe nicht und hat keine Ahnung, wie die Kostüme zu Beginn und in der Pause einzurichten sind. Dankenswerterweise kommen ihr viele helfende Hände an die Seite. Birgit von der Requisite, Tine und Inspizient Lutz zeigen ihr die richtigen Orte und kümmern sich mit darum, dass alles richtig hängt und liegt. So kann die Vorstellung dann auch zum vorgesehenen Zeitpunkt ganz normal weitergehen.

Kurz vor dem zweiten Teil befinde ich mich noch hinter dem schwarzen Vorhang, der eine Hinterbühne hinter der offenen Bühne schafft. Ich stehe dort mit Hergard Engert, Johanna Freyja Iacono-Sembritzki und Josia Krug und wir machen Fotos. Alle haben, so denke ich zumindest, viel Spaß dabei und ich bin froh, einige coole Fotos zu haben, direkt von der Hinterbühne. Das geht allerdings nur kurz, denn der zweite Teil geht los und ich muss wieder auf den ersten Rang.

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Die Gießkanne, die normalerweise im zweiten Teil die ganze Bühne unter Wasser setzt, wird heute, dem hölzernen Bühnenboden zuliebe, durch eine Sprühflasche ersetzt. Schade, denn dadurch geht mein Lieblingseffekt im Stück, und zwar, dass Josef K.s Onkel von oben begossen wird und es teilnahms- und ausdruckslos hinnimmt, komplett verloren.

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Nach ca. zwei Stunden ist die Vorstellung dann vorbei und es geht, wie gewohnt, schnell. Die letzten Zuschauer sind noch gar nicht aus dem Saal rausgegangen, da werden schon die ersten Bühnenbildteile abmontiert. Die Requisite räumt auf, Ute packt die Kostüme ein, die Technik fährt den LKW vor. Tine gibt an alle, die im Bus mitfahren, die Abfahrtszeit des Busses weiter. Normalerweise wartet er zwar auf uns, wegen der engen Straßen allerdings mussten wir uns zu einem bestimmten Zeitpunkt verabreden. So stehen wir alle noch einige Zeit draußen vor der Tür, unterhalten uns und schauen der Technik beim Einladen des LKW – Lenkstube genannt – zu. Schließlich kommt der Bus und wir können los.

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Ich bin froh, dass es auf der Rückfahrt jetzt dunkel ist. So muss ich mir nicht ansehen, wie wir diese Serpentinen wieder hochfahren. Aber dann sind wir auch wieder auf der Autobahn, Neuss als Ziel.

Zwei Tage später schon werde ich wieder auf Abstecher mitfahren. „Die Jungfrau von Orleans“ – in Bocholt. Keine Ahnung, wo das liegt, aber ich lasse mich mal überraschen.

Mit „Jenseits von Eden“ in Ratingen

Wir sind spät dran. Trotz früherer Abfahrt als normal scheint uns der Verkehr einen Strich durch die Rechnung zu machen.

Ich sitze heute vorne im Bus. Bei Ute, der Garderobiere, und Birgit, der Requisiteurin, beide zuständig für den heutigen Abend. Da es der Mittwoch vor dem im Rheinland hochzelebrierten Karneval ist, ist das Gesprächsthema schnell gefunden. Mein erstes Karneval im Rheinland, ich bin etwas aufgeregt. Zwar gibt es da oben im Norden, wo ich herkomme, auch eine Art Rosenmontagsumzug, den ich aber nie selbst gesehen und auch nie dran teilgenommen habe. Ich vermute allerdings, dass er im Vergleich zum Düsseldorfer Umzug eher eine kleine Versammlung als einen ernstzunehmenden Umzug darstellt.img_1904

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Schauspielerinnen Juliane Pempelfort und Anna Lisa Grebe im Bus.

Vor uns, auf den Düsseldorfer Straßen, staut sich der Verkehr. Im Bus wird es unruhig. Mittlerweile ist es zwanzig nach sechs, um acht beginnt in Ratingen die Vorstellung. Allein Juliane Pempelfort hat schon eine Stunde Maskenzeit, dazu kommen noch Soundcheck und Kostümierung, außerdem die innere Vorbereitung auf die Rolle. Alles in allem wird es also ziemlich knapp. Irgendwann, es ist so gegen halb sieben, kommen wir dann tatsächlich an und alle eilen durch den Regen ins Ratinger Stadttheater. Die Schauspieler verschwinden sofort in den Garderoben, ich schaue mich auf der Bühne um und stelle mich vor allem noch einigen Leuten vor. Zum Beispiel dem Musiker. Ingmar Kurenbach ist nur für „Jenseits von Eden“ engagiert und hat dementsprechend natürlich keine Ahnung, wer ich bin. Er erklärt sich trotzdem mit den Fotos von der Seitenbühne einverstanden.

 

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Musiker Ingmar Kurenbach bereitet sich auf die Vorstellung vor und stimmt seine Instrumente.

Das Ratinger Stadttheater ist ein Gastspielhaus ohne eigenes Ensemble. Es wurde 1971 gebaut und bietet seitdem ca. 615 Personen Platz. Man merkt dem Haus diesen typischen Stil der 60er/70er an, fast alles ist aus Holz, die Sitze sind mit einem warmblauen Stoff bezogen. Im Saal liegt grauer Teppich. Das macht es sehr gemütlich, ein schöner Rahmen für einen Theaterabend.

Die Bühne selbst ist eher klein, reicht aber allemal aus. Selbst für unsere Verhältnisse – „Jenseits von Eden“ braucht von unseren Produktionen so ziemlich am meisten Platz. Sogar für mich ist noch Platz auf der Seitenbühne, sodass ich während der Vorstellung von dort zuschauen kann. Wesentlich interessanter diesmal als beim Abstecher nach Siegen: Hier kann man nämlich von der Seite aus zuschauen und muss sich nicht damit abfinden, drei Stunden lang auf einen schwarzen Vorhang zu schauen, den irgendjemand scheinbar aus einer Laune heraus um das Bühnenbild herumkonzipiert hat. Nur muss man aufpassen, dass man nicht zu weit nach vorne geht. Denn wenn man nicht aufpasst, steht man ganz schnell selbst mitten im Rampenlicht. Und das will ja niemand.

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Der Weg vom Foyer hinter die Bühne

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Der Inspizient kontrolliert, ob auf der Bühne alles stimmt.

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Juliane Pempelfort in der Maske

img_1964img_1965img_1968img_1969img_1972img_1974img_1977img_1978img_1986img_1992Irgendwann, heute geht ja alles recht schnell, beginnt der Soundcheck. Erst spricht jeder für sich einige Sätze in sein Mikrofon, dann singen alle gemeinsam oder in kleinen Gruppen die Lieder des Abends. Währenddessen ist das Foyer schon gut gefüllt und die Leute warten vor den Einlasstüren. Also räumen unsere Leute jetzt die Bühne und Lutz, unser Inspizient, gibt die Türen zum Einlass frei. Er muss heute im Zuschauerraum sitzen, denn die Funkverbindung zwischen ihm und der Technik ist unterbrochen. Deshalb sitzt er im Saal am Technikplatz, gibt dort leise die Einsätze an die Technik und kann die Schauspieler, Garderobiere und Requisiteurin per Gegensprechanlage einrufen.

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Der Ablauf vor der Vorstellung
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Stefan Schleue beim Soundcheck

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Das gut gefüllte Foyer vor der Vorstellung

Trotz aller Widrigkeiten beginnt die Vorstellung pünktlich um 20 Uhr. Regieassistentin Frances van Boeckel steht auf der Seitenbühne zur Verfügung, falls etwas schiefgeht oder jemand Hilfe braucht.  Außerdem stehen hinter der Bühne Requsiteurin und Garderobiere bereit, um bei Umzügen zu helfen oder Requisiten aus dem Off an die Schauspieler anzugeben.

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Die Vorstellung beginnt

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Joachim Berger wartet hinter dem Bühnenbild auf seinen nächsten Auftritt.

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In der Pause

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Vor dem zweiten Teil – die Schauspieler warten darauf, dass sich der Vorhang öffnet.

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Requisiteurin Birgit gibt den Schauspielern auf der Bühne die amerikanische Flagge an.

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Das Schlussbild

img_2140img_2146img_2160Nach zwei Stunden und vierzig Minuten ist die Vorstellung zu Ende. Während noch die letzten Zuschauer den Saal verlassen und die Schauspieler in ihre Garderoben gehen, laufen schon alle auf die Bühne, um aufzuräumen und das Bühnenbild abzubauen. Birgit kümmert sich um die Requisiten und packt sie wieder in ihre Kiste, Ute hängt die Kostüme wieder in die Kostümschränke und Sarah und Gabriele von der Maske nehmen noch schnell Haarteile und Perücken ab, bevor auch sie ihre Sachen zusammenräumen. Innerhalb von ca. zwanzig Minuten ist bis auf das Bühnenbild alles zusammengepackt und aufgeräumt. Da die Technik eh mit dem LKW fährt, können wir also los, was den meisten sehr zusagt, denn am nächsten Tag geht es ganz normal mit dem regulären Probenbetrieb weiter und davor haben die meisten dann doch gerne noch zumindest etwas Schlaf.

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Die letzten Zuschauer verlassen den Saal.
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Aufräumen und Abbauen der Bühne.

img_2177img_2181Gegen halb zwölf schon kommen wir wieder in Neuss an. Und auch, wenn das für Abstecher eine relativ frühe Rückkehrzeit ist, bin ich ziemlich geschafft und freue mich auf mein Zuhause. Und ich freue mich natürlich auf den nächsten Abstecher. Wenn alles nach Plan läuft, fahre ich Anfang März mit dem „Prozess“ nach Velbert. Wird bestimmt schön. Hoffentlich.

Das Apollo-Theater in Siegen oder die Maske im Techniklager

Kurz vor der Abfahrt scheinen alle gestresst zu sein. Kein Wunder allerdings, immerhin stecken alle entweder in den Endproben oder haben am nächsten Tag Premiere. Im Bus ist es ruhig, Pablo schläft auf der Rückbank und der Rest starrt vor sich hin, hört Musik, liest oder unterhält sich leise. Ich schaue aus dem Fenster auf die trostlose Autobahn und frage mich, ob Berufspendler, die jeden Tag einen Weg über diese karge Straße auf sich nehmen, nicht spätestens nach zwei Wochen depressiv sein müssten.

Nach zweieinhalb Stunden Fahrt durch die Provinz ist endlich Land in Sicht. Wir sind in Siegen. Den Namen habe ich schonmal gehört, hatte aber keine Ahnung, wo das überhaupt liegt. Überhaupt sind meine Geografiekenntnisse nicht gerade berauschend. Siegen macht auf den ersten Blick einen metropolitären Eindruck. Man hat das Gefühl, aus dem Nichts in der Mitte der Welt gelandet zu sein, wenn man mit dem kleinen, alten Reisebus über eine gigantische Brücke aufs Stadtinnere zufährt. Hoch gelegen steht der Schriftzug „Stadtgalerie“ – oder so ähnlich. Auf jeden Fall wird deutlich, dass es ein Einkaufszentrum ist, dass da so herrschaftlich erhöht über der Stadt thront. Keine zwei Minuten später erblicken wir am Straßenrand ein bekanntes Gesicht. Stefan Schleue ist privat angereist und wartet schon am Seiteneingang des Apollo-Theaters.

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Anders als das Erlanger Theater macht das Apollo in Gießen äußerlich richtig was her. Mitten in der Innenstadt befindet sich der große, moderne Bau mit dem blauen Schriftzug obendrauf. Das Foyer ist modern, aber nicht weniger stilvoll eingerichtet. In schwarz und weiß gehalten, hat es doch seinen ganz eigenen Charme und Glanz. Es gibt ein kleines Foyerabteil mit Bühne für kleinere Veranstaltungen wie z. B. Talkrunden, ein Restaurant und ein Café für die Pause. Der Saal ist groß, bietet je nach Bestuhlung ca. fünfhundert bis sechshundert Besuchern Platz und ist an den Wänden mit geschliffenem und abgerundeten Holz kunstvoll verziert. Erinnert zwar irgendwie an einen Uni-Hörsaal, aber das macht das Ganze auch nicht weniger schön.

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Im Foyer des Apollotheaters hängen Impressionen vergangener Vorstellungen.

Direkt nach unserer Ankunft findet die Bühnenbegehung statt. Gefühlt aus dem Nichts taucht Michael Meichßner auf, der seit dieser Spielzeit fest in unserem Ensemble engagiert ist und – ganz offensichtlich – auch privat angereist ist. Die Schauspieler laufen über die Bühne, sprechen laut und testen dabei die Akustik des Raumes, schreien, singen, tanzen sich warm und stimmen sich auf die Vorstellung ein. Nachdem sie damit fertig sind, gehen alle zusammen ins Theatercafé, denn bis zur ersten Maskenzeit ist noch eine Stunde Zeit.

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Für schnelle Umzüge während der Vorstellung steht auf der Seitenbühne extra ein Kostümschrank bereit.

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Stefan Schleue probiert sich als Regisseur – natürlich nur zum Spaß.

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Hinter der Bühne gibt es derweil ein Problem. Innerhalb von wenigen Minuten müssen während des Stücks mehrere Schauspieler umgezogen und neu geschminkt werden. Problem: Die Garderobe befindet sich weit vom Bühnenraum entfernt in der ersten Etage. So schnell schaffen es die Darsteller nicht, dorthin und rechtzeitig wieder zurück auf die Bühne zu kommen. Also wird improvisiert. Durch eine Tür mit der Seitenbühne verbunden ist das Techniklager, in dem Scheinwerfer und sonstige Utensilien für den technischen Bühnenbetrieb gelagert werden. Hier baut sich Maskenbildnerin Sarah einen improvisierten Schminktisch vor einem kleinen Spiegel auf Rädern auf. Die eisige Kälte in dem Raum wird dabei wissentlich ignoriert und auch die Schauspieler können dagegen nichts ausrichten. Aber die haben auf anderen Abstechern auch schon schlimmeres erlebt als einen kalten Maskenraum.

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Die Behelfsmaske – im Techniklager.
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Die Instrumente und das Equipment des Musikers, der das Stück musikalisch begleitet.

Auf der Seiten- und Hinterbühne bereiten die Garderobieren Pauline und Ute die Umzüge während des Stücks vor. Für jeden Darsteller gibt es einen Stuhl, auf dem seine Kostüme liegen. Außerdem lagern hier während der Vorstellung Wasserflaschen und andere persönliche Gegenstände der Schauspieler. Während der Vorstellung werden Ute und Pauline jederzeit bereitstehen und bei den Umzügen assistieren. Auch die Leiterin der Requisite, Annika, ist während der Vorstellung hinter der Bühne und gibt Requisiten an den richtigen Stellen an die richtigen Leute.

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Ich darf auch mal eines der Kostüme anprobieren.

Lutz, unser Inspizient, lässt sich von einem der Haustechniker das Inspizientenpult erklären, damit er während der Vorstellung den Ablauf reibungslos überblicken und per Funkverbindung mit der Technik und der Künstlergarderobe Signale und Einrufe geben kann.

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Eine halbe Stunde vor Vorstellungsbeginn wird es hinter dem Vorhang nochmal richtig voll. Fast alle sind nun da, schon geschminkt und im Kostüm. Und jeder hat offensichtlich seine eigenen Rituale vor der Vorstellung. Einige sprechen sich nochmal leise warm, andere setzen sich einfach auf den Boden und machen nichts und andere unterhalten sich, um ihre Aufregung zu überwinden. Sie gehen ihre Wege ab, machen sich nochmal mit dem Bühnenraum vertraut (hinter dem Bühnenbild ist in Siegen deutlich mehr Platz als bei uns in Neuss) und besprechen letzte Details mit dem Inspizienten und der Technik. Um viertel vor sieben ist Einlass, um sieben beginnt die Vorstellung. „Joseph und seine Brüder“ – eine Inszenierung unserer Intendantin Bettina Jahnke, dauert ca. drei Stunden, deshalb geht es so früh los. Ich habe einen Stuhl auf der Seitenbühne, um die Einblicke und Abläufe hinter der Bühne fotografieren zu können. Eine absolute Weltpremiere für mich – ich wollte schon immer einmal von der Seite bei einer Vorstellung zuschauen.

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Es ist 19 Uhr – Die Vorstellung beginnt.

Im ersten Moment ist das Ganze auch noch furchtbar spannend, man sieht die Schauspieler abgehen, die eben noch auf der Bühne gestanden haben, wie sie sich umziehen und im kalten Maskenraum umschminken lassen. Mit der Zeit wird es eher langweilig, das Bühnenbild ist durch einen Vorhang ringsum abgedeckt, sodass man nichts sieht außer einen kleinen Spalt im Vorhang, durch den die Schauspieler erscheinen und auch wieder verschwinden. Ich setze mich also irgendwann zu Schauspielerin Anna Lisa in die Garderobe. Sie hat jetzt eine Stunde Zeit. Wir trinken Tee, unterhalten uns, und sie konzentriert sich gleichzeitig auf das Geschehen im Stück, denn nach der Pause ist auch sie wieder dran.

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Während der Vorstellung wird den Schauspielern bei den Umzügen assistiert.

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Joachim Berger lässt sich für einen Rollenwechsel eine „falschen Bauch“ umbinden.

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Nach insgesamt drei Stunden ist die Vorstellung zuende. Interessant ist – und das wusste ich bis dato auch noch gar nicht – dass die Applausordnung vom Inspizienten angeleitet wird. Wild gestikulierend und laut über die Bühne rufend ruft er die Schauspieler einzeln, in Gruppen und als ganzes Ensemble auf die Bühne und entscheidet – ein Ohr auf den Applaus fokussiert, ob noch eine weitere Verbeugung drin ist.

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Der Blick in den Zuschauerraum während der Pause.
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Inspizient Lutz hat die Applausordnung voll im Griff.

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Ganz zum Schluss, das Saallicht geht an und die Zuschauer gehen aus dem Saal, bedankt sich Hauptdarsteller Stefan Schleue bei den Technikern des Hauses für ihre Hilfestellungen . Die Schauspieler unterhalten sich noch kurz, verschwinden dann aber recht schnell in der Garderobe, immerhin ist es schon 22 Uhr und wir müssen noch zwei Stunden nachhause fahren. Die Kostümbildnerinnen und die Requisiteurin packen ihre Sachen zusammen und die Technik beginnt direkt im Anschluss an die Vorstellung, das Bühnenbild abzubauen. Auch sie wird noch am selben Abend zurückfahren. Nach einer guten dreiviertel Stunde treffen wir uns alle am Bühneneingang und gehen zusammen zum Bus.

Anders, als beim Abstecher nach Erlangen, herrschte bei diesem Abstecher eine eher professionelle bis angespannte Atmosphäre, die aber durchaus ihre Berechtigung hatte. Trotzdem gab es zwischendurch immer wieder Zeit und Raum für persönliche Gespräche und Begegnungen. Spaß gemacht hat es auf jeden Fall.

Gastspiel in Erlangen – 24. September

„Da hast du dir ja gleich eines der interessantesten Gastspiele rausgesucht“, sagt Karin Moog, Darstellerin der Richterin Sophie in „Corpus Delicti“, zu mir. Ich gebe ihr Recht. Übernachtungsabstecher sind selten, außerdem ist Erlangen dieses Jahr das weiteste Reiseziel. Das Markgrafentheater Erlangen mit seinem Spielzeitthema „Utopie“ hat unser Stück für einen Abend „gekauft“, deshalb machen sich das Ensemble und noch jede Menge weitere Leute auf den Weg dorthin.

Bevor ich zum Bus gehe, muss ich noch kurz ins Büro. Ich bin ein wenig aufgeregt, mache mir Sorgen, dass die Schauspieler eher weniger begeistert sind von der Idee, die ganze Zeit über fotografiert werden zu können. Außerdem bin ich der einzige, der im Grunde nichts mit der Produktion zu tun hat. Alle anderen kennen sich schon von den Proben, gemeinsamen Pausen oder vorherigen Abstechern, haben zusammen gearbeitet, Premiere gefeiert und dadurch schon ein gewisses Vertrauen zueinander. Und ich, ich bin der Außenseiter.

Am Bus angekommen, spüre ich von diesen Ängsten jedoch nichts mehr. Ich werde mit offenen Armen empfangen, mir wird ein Platz im Bus angeboten und wir überlegen uns, mit welchem Spiel wir uns die lange Fahrt über unterhalten. „Head’s up“, das Spiel aus der „Ellen Show“ sorgt also im weiteren Verlauf für viel Spaß unter den Beteiligten, allerdings auch für genervte Gesichter auf dem Gesicht derjenigen, die eigentlich gerne ihre Ruhe hätten. Danach – ganz klassisch – „Mensch ärgere dich nicht“. Klingt einfach und irgendwie langweilig, ist aber genau das Gegenteil. „Sieht extrem stressig aus“ sagt Schauspieler Rainer Scharenberg, als er sieht, wie wir krampfhaft versuchen, zu verhindern, dass unsere Spielfiguren durch das Wackeln des Busses das Spielfeld verlassen. Ich hab verloren.

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Johanna Freyja Iacono-Sembritzki nutzt die Pause für sportliche Betätigung.
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Richard Lingscheidt spielt „Head’s up!“, das Spiel aus der Ellen Show
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Regieassistentin Nicole
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Karin Moog, Darstellerin der Richterin Sophie
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Rainer Scharenberg, Darsteller des Anwalts Rosentreter
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Richard Lingscheidt, Darsteller des Staatsanwalts Bell
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Andreas Spaniol, Darsteller des Journalisten Kramer

Um viertel vor sechs, nach dem Einzug ins Hotel und einem kurzen Bummel durch die Stadt, bin ich mit Wiebke Goldhammer verabredet, Leiterin der Öffentlichkeitsarbeit des Theaters Erlangen und gleichzeitig Abenddienstleiterin im Vorderhaus. Gemeinsam gehen wir durchs Haus und Frau Goldhammer erzählt einiges wissenswertes über das Theater. Es ist das älteste noch bespielte Barocktheater und befindet sich nach wie vor im Originalzustand, ist also im Großen und Ganzen noch genau so, wie es im 18. Jahrhundert erbaut wurde. Ca. 500 Plätze verteilen sich auf das Parkett und zwei Ränge, neun Schauspieler sind momentan fest im Ensemble engagiert. Auch für unsere Schauspieler scheint es etwas besonderes zu sein, in solch einem altehrwürdigen Gebäude spielen zu dürfen.

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Das Hotelzimmer in Erlangen…
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…fußläufig zum Theater
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Karin Moog kurz vor der Bühnenbegehung in einem Erlanger Straßencafé

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Von außen ist das denkmalgeschützte Gebäude des Theaters ziemlich unscheinbar.
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Das Foyer des Markgrafentheaters.

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Einige Techniker aus Neuss sind auch dabei – sie sind schon am Tag vorher angereist und haben das Bühnenbild aufgebaut und Licht, Ton und Video eingerichtet.

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Ebenfalls um viertel vor sechs findet die Bühnenbegehung der Schauspieler statt. Regieassistentin Nicole Erbe begleitet und macht sich dabei gleich selbst ein Bild vom Raum und von den technischen Einrichtungen. Für die Schauspieler ist die Bühnenbegehung schnell vorbei. In einem richtigen Theater wie diesem kann man davon ausgehen, dass es in Bezug auf Auf- und Abgänge keine Schwierigkeiten gibt, außerdem ist die Bühne tief genug, dass das komplette Bühnenbild draufpasst. Das ist offensichtlich nicht bei jedem Abstecher so.

Nach der Bühnenbegehung geht es für die Schauspieler entweder auf einen Spaziergang, kurz ins Hotel oder direkt in die Garderobe. Die Regieassistentin kümmert sich derweil darum, mit den bereits am Vortag angereisten Technikern die Lichtstimmungen durchzuspielen und gegebenenfalls noch etwas zu verändern, damit bei der Vorstellung keine unerwarteten Überraschungen auftauchen. Inspizient Lutz Orlet lässt sich derweil von den hauseigenen Technikern das Inspizientenpult erklären.

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Der Weg von den Garderoben zur Bühne
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Das Inspizientenpult, viel größer als unseres in Neuss.
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Nicole Erbe geht mit Veranstaltungstechniker Tim die Lichtstimmungen und Videoeinstellungen durch und verleiht ihnen den letzten Schliff.

Maskenbildnerin Susanne Marr hat sich in der Zwischenzeit in der Maske eingerichtet und kümmert sich nun um die Darsteller. Ihre Utensilien hat sie bereits zwei Tage vor der Abfahrt in einer Kiste verpackt, die ihr freundlicherweise die Techniker im LKW nach Erlangen transportiert haben.

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Karin Moog bei Maskenbildnerin Susanne Marr
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Die Kiste, in der die Maske alle Utensilien befördert. Freundlicherweise kümmert sich meistens die Technik um den Transport an die Abstecherorte.

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Kurz vor dem Einlass machen sich die Schauspieler noch auf der Bühne warm, unterhalten sich oder machen Übungen zur Lockerung des Mundes. Ich gehe ins Foyer, hole meine Karte ab und setze mich dann in den Saal. 19:30 Uhr, die Vorstellung beginnt pünktlich und ich sehe das, was ich mittlerweile schon zweimal gesehen habe. Und doch ist es immer irgendwie anders.

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Das Foyer kurz vor dem Einlass. Die Schauspieler verlassen gerade die Bühne, damit aufgemacht werden kann.
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Regieassistentin Nicole Erbe und die beiden Darsteller Linda Riebau und Josia Krug nach der Vorstellung, schon umgezogen und abgeschminkt.
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Nach dem gemeinsamen Essen in der „Kulisse“ sitzen einige noch bei einem Glas Wein oder Bier beisammen. Mit dabei, zwei Ensemblemitglieder des Erlanger Theaters, Freunde von Josia Krug.

Im Anschluss hat man uns einen Restauranttisch serviert, also treffen wir uns alle dort und essen und trinken gemeinsam. Auch die Intendantin ist dort, extra für diesen Anlass mit dem Auto nach Erlangen gefahren. Bei einem Glas Wein oder Bier lassen die meisten den Abend dann ausklingen und gehen nach und nach ins Bett. Ich selber stürze mich noch mit einigen wenigen Leuten ins – in den Semesterferien eher karge – Erlanger Nachtleben, um noch ein bisschen Spaß zu haben und gemeinsame Zeit zu verbringen.

Umso härter dann natürlich, am nächsten Morgen um halb neun aufzustehen, um vor der Abfahrt noch frühstücken zu können. Aber ich bekomme es hin. Zwischen Frühstück und Abfahrt beeilen sich dann einige, noch schnell auf den Erlanger Apfelmarkt (oder so ähnlich) zu kommen, um sich mit einigen ganz besonders seltenen Exemplaren einzudecken.

Die Rückfahrt verläuft deutlich ruhiger, man merkt die Anstrengung, die vielen noch in den Knochen steckt. Aber dann unterhält man sich halt mal ein wenig, liest etwas oder hört Musik. Und eine Runde  „Heads up!“ war selbstverständlich auch noch drin. Irgendwann sind wir dann wieder in Neuss, steigen aus dem Bus aus und gehen getrennte Wege. Ich muss noch schnell ins Büro, bringe die Kamera weg. Verabschiede mich dann von Regieassistentin Nicole und Inspizient Lutz und gehe nachhause. Leider mein einziger und letzter Abstecher mit dieser Truppe. Aber vielleicht fahre ich mal wieder mit. Einfach so. Einfach, weil es so toll war.

Bald geht’s los!

Ich bin der Neue. Und das auch erst seit kurzem. Vor mittlerweile sechs Wochen habe ich mein FSJ Kultur am Rheinischen Landestheater Neuss begonnen. Das erste Mal arbeite ich an einem richtigen Theater. Deshalb sind alle Eindrücke, alle Erlebnisse, über die ich hier berichten werde, für mich genauso neu wie für Sie.

Die Idee für diesen Blog entstand durch Zufall. Das Stück „Corpus Delicti“ hat ein Gastspiel in Erlangen. Ich habe eine Freundin, die dort studiert. Also habe ich nachgefragt, ob man nicht einen Platz im Bus und ein Zimmer im Hotel für mich erübrigen kann. Und man kann. Allerdings nur unter der Bedingung, dass das Theater selbst auch einen Nutzen daraus zieht. Und so bin ich hier gelandet, fahre also über das ganze Jahr verteilt auf verschiedene Abstecher, wie man die Gastspiele hier nennt, mit und berichte von den unterschiedlichsten Orten in NRW und ganz Deutschland. Mal sehen, welche Geschichten es zu erzählen gibt. Was so passiert, wenn Schauspieler und Schauspielerinnen, Regieassistenten und -assistentinnen, Maskenbildnerinnen, Inspizienten und Souffleusen zusammen in einem Bus fahren. Welchen Aufwand es bedeutet, wenn ein ganzes Bühnenbild von den Technikern im LKW transportiert wird. Welchen Herausforderungen sich das Team stellen muss, wenn mal unerwartet etwas nicht nach Plan verläuft. Und natürlich, wer genau an den Abstecherorten für was zuständig ist. Mit dabei: natürlich die Fotokamera. Denn ohne Bildmaterial ist es nichtmal halb so interessant.

Der Name des Blogs leitet sich übrigens von unserem Spielzeitmotto ab. Momentan arbeitet das RLT mit den vier Kardinaltugenden Weisheit, Tapferkeit, Mäßigung und Gerechtigkeit und jedes Stück der jeweiligen Spielzeit hat einen Bezug zum Motto. Somit ist – sehr pathetisch, ich weiß – immer ein Stück Tapferkeit mit uns unterwegs.

Ich selbst habe noch keine Ahnung, was da auf mich zukommt. Weiß genau so wenig wie Sie, denn das, was ich oben beschrieben habe, ist ziemlich genau das, was man mir bis jetzt erzählt hat. Umso spannender ist es aber für uns alle und ich freue mich sehr auf diese Spielzeit voller spannender Produktionen, Städte und Veranstaltungsorte. Sie hoffentlich auch.